ITFW-Veranstaltung

"Digitalisierung: Chance oder Herausforderung?"

„Megatrend Digitalisierung: Chance oder Herausforderung?“ So lautete die Fragestellung der gemeinsamen Veranstaltung des Verbandes deutscher Unternehmerinnen (VdU) Hessen und IT FOR WORK, dem durch die IHK Darmstadt initiierten IT-Kompetenz-Netzwerks. Den rund 40 Gästen des Abends war klar, dass dies natürlich rhetorisch verstanden werden sollte – heute kann sich kein Unternehmen mehr leisten, die digitalen Entwicklungen zu ignorieren. Es stelle sich vielmehr die Frage nach dem richtigen Umgang mit der digitalen Verarbeitung von Informationen, waren sich Dr. Karin Uphoff, Vorsitzende des VdU Hessen, und Barbara Eichelmann-Klebl, Inhaberin Fidelio Schokofrüchte und Mitglied der Vollversammlung sowie des Handelsausschusses der IHK Darmstadt, bei ihrer Begrüßung einig. Und deshalb stimme beides: Die Digitalisierung sei Herausforderung und Chance zugleich.
Die Zukunft gehört dem digitalen Kunden
Die Fabrik von morgen und die Konsequenzen für alle Stakeholder stellte Claudia Baumer, Vorstand IT FOR WORK und Marketing-Verantwortliche bei der intelligent views gmbh in Darmstadt, eindrucksvoll dar. Schneller, effizienter und flexibler werde sie sein. Die Wissenschaft forsche, wie die Produktion und die Arbeitsplätze von morgen in der Industrie 4.0 gestaltet werden können. Durch die digitale Vernetzung würden sich die Beziehungen zwischen produzierendem Betrieb, Zwischenhändler und Kunde stark verändern. Der Kunde rücke schon heute immer stärker in den Fokus der Unternehmen, so Baumer. Kundendaten seien von enormer Bedeutung und gäben Auskunft über Bedürfnisse, Gewohnheiten und das Verhalten der Menschen.
In Zukunft wird sich der Kunde nach Aussage Baumers stark digital einbringen und seine Bedürfnisse über Social Media formulieren. Das Unternehmen und die Zwischenhändler werden bemüht sein, „Maßanfertigung auch in der Massenfertigung“ zu liefern. „Möglich wird dies, da nicht nur die Menschen miteinander kommunizieren, sondern auch zunehmend die Maschinen. Und selbstverständlich wird der digitale Kunde auch verbesserte digitale Servicefunktionen wie Sendungsverfolgung erwarten und einfordern“, erläuterte Baumer.
Die neue Währung der Industrie 4.0 heißt Vertrauen und Sicherheit
Nach den NSA-Spähaktionen ist  IT-Sicherheit zu einer zentralen Herausforderung für Individuen wie auch für Unternehmen geworden. Einen Überblick zu den Schutzmöglichkeiten gab Markus Sextro, ebenfalls Vorstand IT FOR WORK und Geschäftsführer von SNS connect. Er eröffnete seinen Vortrag mit der Frage: „Wovor muss ich etwas schützen bzw. was muss ich sichern?“ Die Antwort bestehe aus den fünf Substantiven: Vertraulichkeit (Verschlüsselung), Authentizität (elektronische Signatur), Verfügbarkeit (Datensicherung), Integrität (Hashfunktion), Verbindlichkeit.
Zugriffe von Hackern erfolgen nach Angaben Sextros zunehmend über Browser wie etwa beim Surfen im Internet oder Intranet. SSL-Verschlüsselungen von Webseiten können von Angreifern mitgelesen und manipuliert werden. Wenn also vertrauliche Daten wie Kontodaten, Passwörter oder Transaktionsziffern von einem Mailserver übermittelt werden, sollte die Verbindung zum Server auf jeden Fall verschlüsselt sein, so Sextro. „Ausreichenden Schutz vor Hackern bietet dies aber nicht. Denn diese geben ihren falschen Computer als den ausgewählten vor.“ Auch der Server muss sich ausweisen als derjenige, der er ist, mittels PINs und TANs.
Ein weiteres wichtiges Thema war die Sicherheit und Ablage von Kennwörtern. Hier gelte die Regel: Je mehr Zeichen und Sonderzeichen verwendet werden, umso sicherer. Wichtig sei auch, so der IT-Experte, die Passwörter regelmäßig zu ändern. Längst reiche es nicht mehr aus, mit ein oder zwei Kennwörtern unterwegs zu sein. Wie sie also speichern? Hierfür gibt es laut Sextro eine besondere Ablagemöglichkeit, die nur mit einem Passwort zugänglich ist. Geeignet für größere Unternehmen und Behörden mit sensiblen Daten sei das Sicherheitssystem der Firma RSA Security. Dazu ist die Verwendung eines sogenannten Token – eine Art Schlüsselanhänger – notwendig, der alle 60 Sekunden eine neue 6-8stellige Ziffernfolge ausgibt. Der Benutzer muss ein Passwort kennen und dann den Token benutzen.
Megatrend Digitalisierung – eine informative Veranstaltung mit hohem Niveau, so lautete das Fazit der Teilnehmerinnen. Sextros Vortrag habe sie für die Probleme und deren Lösung im Bereich der IT-Sicherheit sensibilisiert. Und deutlich gemacht: Wer Sicherheit im Netz haben will, der muss es sich auch etwas kosten lassen. Sicherheit im Netz gibt es nicht zum Nulltarif.  „Heute Abend konnten wir erleben, wie gut es ist, wenn Netzwerke kooperieren und Wissen teilen. Ein Gewinn für beide Seiten“, hob die VdU-Vorsitzende Uphoff abschließend hervor. Weitere Kooperationsveranstaltungen der beiden hessischen Netzwerke VdU und IT FOR WORK seien daher bereits in Planung.