IT meets Production

Nachbericht und Downloads

Klassische Industrieprozesse basieren zunehmend auf dem Internet. Die zentrale Fragestellung dabei lautet, wie die IT und die Produktion in den Unternehmen enger zusammengeführt werden können, um die Produktion flexibler zu ge­stalten und auch Massenprodukte wirtschaftlich in Losgröße Eins zu produzieren. Eine Annäherung an das Trendthema Industrie 4.0 für die Region Südhessen bot die Gemeinschaftsveranstaltung „IT meets Production“ der IHK Darmstadt mit dem Unternehmensnetzwerk IT FOR WORK, dem Cluster Automatisierungsregion Rhein Main Neckar u.a.
Norman Göttert vom Fraunhofer Institut for Secure Information Technology (Fraunhofer SIT) referierte über Hardware-basierte Sicherheit für Kommunikationsinfrastrukturen. Diese ist, laut seiner Aussage, für viele unterschiedliche Plattformen verfügbar.
Trusted Platform Modules (TPMs) können beispielsweise für effiziente Prozesse zum Trust Establishment verwendet werden. Kombinationen mit Meta-Daten (IF-MAP Standard) ermöglichen verlässliche Informationen über Infrastrukturen und Prozesse.
Das Fraunhofer SIT bietet in diesem Bereich die Entwicklung von neuen Lösungen, Unterstützung bei der Implementierung und Integration sowie Sicherheitslösungen über verschiedene Ebenen (Kommunikation, Geschäftsprozesse, Wartungsprozesse, Produktion, etc.) an.
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung stellte Sebastian Rohr von der accessec GmbH die Wirkweise von APT  (“Advanced, Persistent Threat” – eine “fortgeschrittene, andauernde Bedrohung”) vor und was dagegen getan werden kann. Als Fazit schloss er, dass APT nicht „neu“ ist sondern nur anders kombiniert. Es gäbe leider kein „Allheilmittel“ gegen APT, daher seien Kompetenz und klare Verantwortung die Grundlage für ganzheitliche Sicherheit. Als Goldene Regeln ergänzte er:
  1. So wenig IT wie möglich "im Feld" / in der Halle
  2. Abschirmen! Wo Netz nicht zwingend erforderlich ist, sollte OFFLINE gearbeitet werden
  3. Aktualisieren! Wenn möglich, weg von XP und
  4. Standardisieren, Harmonisieren und gutes Monitoring
Ein wegweisendes Best-Practice-Projekt in der Konstruktion aus dem Bereich 2D-CNC-Fertigung stellten der Schaumstoffverarbeiter Wetropa Group und der Lösungsanbieter für web- und mobil-basierende Unternehmenssoftware, Bright Solutions GmbH, vor­.
Im Kern geht es bei dem Projekt „Konstruktion 4.0“ um die Konstruktion individueller Schaumstoffeinlagen für Werkzeugkästen, in denen die Werkzeuge sauber platziert werden können. Über den internetgestützten Lösungsansatz von Bright Solutions mittels Online-Konfigurator und mobilem Werkzeugscanner ist es nun möglich, Werkzeugeinlagen zu konstruieren, die exakt den Anwenderwünschen ent­sprechen: Der Nutzer selbst erstellt hierfür sein Layout online. Die Verarbeitung erfolgt über ein auto­matisiertes Fräsprogramm. Gegenüber der vorherigen zeitaufwendigen manuellen Konstruktion konnte laut Wetropa Group bereits in der ersten Ausbau­stufe des neuen Systems eine Effizienzsteigerung von rund 75 Prozent für kleine Los­größen erzielt werden. Für die Leserinnen und Leser des IHK-Reports, welcher in Kürze erscheint, diskutierten der Darmstädter IT-Unternehmer Manuel Pistner (Bright Solutions GmbH), Richard Jordan (IHK Darmstadt) und Sascha Peters (IT FOR WORK e.V.)
Neben dem Thema Sicherheit wurde auch das Thema Standards und standardisierte IT-Lösungen in der Kommunikation zwischen Maschinen behandelt. Jürgen Hase von der Telekom AG, M2M Competence Center, stellte verschiedene M2M Lösungen vor und zeigte Vorteile auf.
Manufacturing Execution System (MES)-Standardisierte IT-Lösungen für die Produktion von morgen wurden von Jochen Schumacher, MPDV Mikrolab GmbH, erläutert. Hierbei ging er unter anderem auf Herausforderungen der IT sowie auf den bevorstehenden Wandel und die sich daraus ergebenden Anforderungen an die Produktion ein. Ebenfalls wurde die Eignung von MES in Bezug auf integratives Datenmanagement, Onlinefähigkeit, horizontale Integration, Mobilität und standardisierte Maschinenschnittstellen beleuchtet.
Die Vortragsfolien der Referenten stehen Ihnen für eine begrenzte Zeit zum Download zur Verfügung.
Nach dem ersten Informationsteil der Veranstaltung wurden die Themen „Sicherheit“ und „Standards“ in zwei Arbeitsgruppen unter der Leitung von Herrn Pollmeier, ESR Pollmeier GmbH, und Herrn Sebastian Rohr, accessec GmbH, frei diskutiert und Impulse aufgegriffen.
 
Sebastian Rohr, technischer Geschäftsführer, accessec GmbH, über die Veranstaltung:
 "Die Veranstaltung hat mir sehr gut gefallen. Schön war auch, dass mehr Teilnehmer vor Ort waren, als erwartet. Die spannenden Diskussionen mit den Teilnehmern über die Themen Internet of Things, Industrie 4.0, APIs und die API Economy haben gezeigt, dass wir alle gemeinsam nach wegweisenden Antworten suchen müssen. Dabei stehen die kleinen und mittleren den Großen der Branche in nichts nach: Im Rahmen unserer Beratungsprojekte mit großen Konzernen stehen ganz ähnliche Fragestellungen im Raum. Es gilt vor allem, Chancen und Risiken klarer herauszuarbeiten. Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen ist es darum unabdingbar, einfache nachvollziehbare Lösungsansätze für Industrie 4.0 - auch in Kooperation mit IT FOR WORK, der Automatisierungsregion und der IHK - zu entwickeln.
Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen Referenten und Workshop-Moderatoren für die Bereicherung unserer Veranstaltung, durch ihr Mitwirken, herzlich bedanken.