Digitalisierungsethik für Darmstadt

Beirat stellt ethische Leitlinien zur Digitalisierung vor

14. Mai 2019: Die Facharbeitsgruppe Ethik des Ethik- und Technologiebeirats der
Digitalstadt Darmstadt hat ethische Leitlinien erarbeitet, die Darmstadt
Orientierung bei den städtischen Digitalisierungsaktivitäten geben sollen.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt wird damit die erste deutsche Stadt sein,
die von Fachexperten einen konkreten ethischen Gestaltungsrahmen für ihre
Digitalisierungsaktivitäten erhält. Vertreter des Ethik- und
Technologiebeirates und der Facharbeitsgruppe Ethik haben den Zwischenstand
der ethischen Leitlinien für die Digitalstadt Darmstadt am Dienstag (14.)
im Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT der
Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Präambel und die neun Leitlinien betonen beispielsweise die
Gemeinwohlverpflichtung, die demokratische Kontrolle sowie Transparenz und
den diskriminierungsfreien Zugang zu Dienstleistungen der Digitalstadt
Darmstadt. Automatisierte Verwaltungsentscheidungen sind offenzulegen, eine
Abhängigkeit von Firmen oder Produkten zu vermeiden und personenbezogene
Daten dürfen gemäß den Leitlinien nicht verkauft werden.
„Eine Schlüsselrolle bei der Digitalisierung Darmstadts nimmt die
städtische Datenplattform ein. An ihrem Beispiel wurde die Wichtigkeit der
Datensouveränität herausgearbeitet, die dann konsequenterweise Eingang in
das Dokument fand“, erklärte Prof. Dr. Michael Waidner, Vorsitzender des
Ethik- und Technologiebeirats.
Prof. Dr. Arnd Steinmetz, unter dessen Vorsitz die Facharbeitsgruppe Ethik
die Leitlinien erstellte, betonte: „Die ethischen Leitlinien sind
langfristig angelegt, ihr Horizont reicht weit über die aktuellen Projekte
der Digitalstadt Darmstadt GmbH hinaus.“
Die Facharbeitsgruppe Technologie blickt mit ihrem selbst gesetzten und
ersten Themenfeld „Mobilität“ ebenfalls langfristig in die Zukunft. Ihr
Leiter, Prof. Dr. Ralf Steinmetz, erläuterte: „Wir treten an, aufzuzeigen,
wie Technik nachhaltig gestaltet werden kann. Mobilitätslösungen, die
mittels klug geplanter und durchgeführter Digitalisierung zukunftsfähig und
-offen werden, sind ein Kernthema für alle Smart Cities und Smart Regions.“
Im nächsten Schritt wird der Entwurf der Leitlinien dem gesamten Ethik- und
Technologiebeirat zur weiteren Bearbeitung vorgelegt. Der Gesamtbeirat tagt
im Anschluss an die „Darmstadt Konferenz – gemeinsam.digital.weiterdenken“
am 13. Juni 2019.
Über die Digitalstadt Darmstadt
Seit Juni 2017 trägt die Wissenschaftsstadt Darmstadt den Titel „Digitale
Stadt“, den sie als Wettbewerbs-Sieger vom IT-Branchenverband Bitkom in
Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund verliehen
bekommen hat. Seitdem arbeiten unzählige Akteure aus Wissenschaft, Politik
und Wirtschaft in 14 Bereichen (Verwaltung, Mobilität, Handel & Tourismus,
Bildung, Gesellschaft, Umwelt, Energie, Sicherheit & Katastrophenschutz,
Gesundheit, Datenplattform, IT-Infrastruktur, Cybersicherheit, Kultur und
Industrie 4.0) an dem Gesamtprojekt „Digitalstadt Darmstadt“. Ziel des
Projekts ist es, dass mit Hilfe neuester Smart-City-Technologie in
Darmstadt ein urbanes digitales Ökosystem mit greifbarem Nutzen für die
Bürgerinnen und Bürger Wirklichkeit wird. Am 15. August 2018 konstituierte
sich der Ethik- und Technologiebeirat der Digitalstadt Darmstadt. Er
begleitet die Digitalisierungsaktivitäten Darmstadts und gibt Empfehlungen.
Der Beirat setzt sich interdisziplinär mit Expertinnen und Experten aus den
Bereichen Informatik, Philosophie, Ethik, Pädagogik, Soziologie –
Industriesoziologie, Stadt- und Raumsoziologie, mit Architektur und
Stadtplanung sowie dem Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit zusammen.
Zusätzlich wird jeweils ein Vertreter aus den in der
Stadtverordnetenversammlung der Wissenschaftsstadt Darmstadt vertretenen
Fraktionen je Wahlperiode in den Beirat entsendet. Vorsitzender des Rates
ist Prof. Dr. Michael Waidner als Chief Digital Officer (CDO) der
Wissenschaftsstadt Darmstadt.
(AM)